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gamescom 2011
Autor: Marcel Benz
Geschrieben am 15.08.2011 - 12:08
gamescom 2011

Haus der Computerspiele zeigt riesige Retro-Ausstellung

Auf der diesjährigen gamescom wird sich mal wieder alles um die neuesten Spiele und Konsolen drehen. Doch auch Retro-Fans kommen in Köln auf ihre Kosten.

Die gamescom (17. bis 21. August 2011) zeigt im Rahmen der Sonderschau „Retro Gaming“ die umfassendste Sammlung historischer Spielkonsolen und Heimcomputer, die je in Deutschland zu sehen war. Die Exponate ergeben aneinander gereiht eine Länge von 100 Metern und befinden sich in Halle 8, Stand B 62 .

 

Für die einzigartige Ausstellung wirkt das Privatmuseum Haus der Computerspiele eng mit weiteren langjährigen Sammlern zusammen, vor allem mit dem Grimmaer Torsten Othmer, der bereits in den achtziger Jahren einen Atari-Club gründete, und dem Paar Yasemin und Stefan Bösing aus Bochum, das im vorigen Jahr zu „Deutschlands größten Mario-Fans“ gewählt wurde. Jede Kollektion bringt ihr Spezialgebiet ein.

 

Auf dem Papier planten wir die großartigste Retro-Schau, die man sich vorstellen kann. Im zweiten Schritt legten wir fest, welcher Sammler für welches Exponat am geeignetsten ist“, so Initiator René Meyer. „Letzte Lücken schlossen gezielte Leihgaben aus der Retro-Szene.“

 

Commodore 64 Commodore 64 Auf diese Weise sind nicht nur die bekannten Spielsysteme von Nintendo, Sony, SEGA, Atari und Commodore zu sehen, die in Millionen von Haushalten standen, sondern auch Raritäten und Exoten, die nie in Europa auf den Markt kamen. Ermöglicht wurde die Ausstellung durch die Koelnmesse, die eine im Vergleich zum Vorjahr doppelt so große Fläche zur Verfügung stellte.

 

Startpunkt der Schau ist die erste Spielkonsole, Magnavox Odyssey von 1972. Entwickelt hatte sie der deutsche Auswanderer Ralph Baer. Doch erst Atari machte das darin enthaltene Tennisspiel mit zwei Strichen als Schläger und einem Quadrat als Ball zum Welterfolg und begründete damit die Spieleindustrie. Ab 1975 kamen unzählige dieser Pong-Konsolen auf den Markt.

 

Folgestationen sind frühe Geräte mit Wechselmodulen zwischen Ende der siebziger und Anfang der achtziger Jahre, wie Mattel Intellivision und ColecoVision. Unter den Exponaten sind die einzige in Westdeutschland produzierte Konsole, Interton VC 4000, und die einzige aus Ostdeutschland, Bildschirmspiel 01 vom RFT-Kombinat.

 

Philips CDi Philips CDi Parallel begann ab 1975 der Durchbruch der Heimcomputer: Apple II, TI 99 von Texas Instruments oder TRS-80. In den achtziger Jahren kamen Commodore 64, Atari 800 und Schneider CPC hinzu. In der zweiten Hälfte der achtziger Jahre begann das Zeitalter der 16-Bit-Maschinen. Bei Computern etwa der Amiga und der Atari ST, bei Konsolen der Mega Drive von SEGA und der Super Nintendo. In den neunziger Jahren ersetzte die Silberscheibe zunehmend das Spielmodul als Datenträger. Aus einer Fülle von Multimedia-Konsolen wie CD-i und 3DO setzte sich schließlich Sony mit seiner PlayStation durch.

 

Das neueste Schaustück ist erst einige Wochen alt: Vor einem Jahr brachte ein amerikanischer Shop als Aprilscherz einen Aufsatz, der Apples iPad in einen Spielautomaten aus den achtziger Jahren verwandelt. Nun ist das iCade-Gehäuse tatsächlich erschienen und erweckt mit seinem Joystick und seinen dicken Tasten Arcade-Klassiker authentisch zum Leben.

 

MB MicroVision MB MicroVision Zu sehen sind in der umfangreichen Ausstellung auch mobile Spielsysteme wie der Game Boy, LCD-Spiele, Miniatur-Automaten, Lerncomputer, elektronische Brettspiele und Organizer.

 

Standpartner der über 300 Quadratmeter großen Retro-Fläche ist wie im Vorjahr das Magazin „RETURN“, das sich auf 8-Bit-Geräte spezialisiert. Es lässt unter anderem die hierzulande kaum bekannte, zwanzig Jahre alte Konsole PC Engine auf einem Großbildschirm spielen. Einen Höhepunkt bringt das MEGA – Museum of Electronic Games & Art mit: einen originalgetreuen Nachbau eines der ersten Videospiele Tennis for Two. Es wurde 1958 in einem amerikanischen Forschungslabor aus einem Analogcomputer und einem Oszillographen als Bildschirm entwickelt. Obwohl es nur für Besucher zur Tag der offenen Tür gedacht war und keine größere Bekanntheit erlangte, spielte es Jahre später eine Rolle als „Zeuge“ in den Lizenzstreitigkeiten um das erste Videospiel und gilt heute als Meilenstein.

 

Das Haus der Computerspiele ist das Privatmuseum des Leipziger Journalisten René Meyer. In den vergangenen zwanzig Jahren hat er über 10.000 Exponate aus der Geschichte der Spiele zusammengetragen: Konsolen und Heimcomputer, Software, Literatur und Zubehör. Allein seine Sammlung unterschiedlicher Spielsysteme wurde ins Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen und wuchs auf mittlerweile 800 Geräte an. Auf zahlreichen Ausstellungen während Publikumsmessen, Festivals und Kongressen zog die Sammlung über eine Million Besucher an. Sie ist damit die meistgesehene ihrer Art. 

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