Alle Jahre wieder...
Als Fußballfan gilt es jedes Jahr schwierige Fragen zu beantworten. Gibt es bereits Real-Trikots mit Ribery Beflockung? Lohnt es, sich den Namen des Hannoveraner Trainers zu merken? Soll ich meine Hertha-Jahreskarte nach der Saison gegen eine Union-Version eintauschen? Fragen über Fragen. Doch die schwierigste ist natürlich jedes Mal aufs Neue: PES oder FIFA?
Fußball ist kein Spiel der Konjunktive
In der 09er Version konnte EA Sports Konami nach langer Zeit vom Thron stoßen. Man müsste ja meinen, dass die Entwickler dadurch aufgewacht sind und endlich wieder richtige Neuerungen einbauen. Ob das so ist, wird sich noch zeigen, aber in einem Bereich haben sie das definitiv geschafft. Und zwar in Sachen Grafik. In Pro Evolution Soccer 2010 sehen die Spieler realistisch aus wie nie. Und vor allem sind sie ihren Vorbildern wie aus dem Gesicht geschnitten. Die originalen Lizenzen zahlreicher Nationalmannschaften und einiger nationaler Ligen (Spanien, Italien, Frankreich etc.) helfen hier natürlich enorm. Auch die deutsche Nationalmannschaft läuft in Realbesetzung auf, Klubs aus der Bundesliga gibt es jedoch nicht zu finden. Ebenso sind die Stadien detailliert umgesetzt, an den polygonarmen Zuschauerklonen wird sich hingegen vermutlich nie etwas ändern. Der Sound hinkt jedoch hinter FIFA 10 hinterher. Vor allem die Kommentatoren spielen in einer deutlich anderen Liga und erinnern mit ihren Sprüchen teils an schlechte Standup-Komiker. Auch die Musik reicht nicht an die Konkurrenz heran. Fangesänge gibt es natürlich während der Partien, aber die Lebendigkeit des EA-Vertreters wird nicht erreicht – zumal die Abwechslung dieser oft nicht mal das Niveau angetrunkener Stadionbesucher erreicht.
Realismus der mit muss
Leben gibt es hingegen auf dem Platz zu bewundern, denn vor allem die KI hat kräftig zugelegt. So verhalten sich die Kicker nun weitaus realistischer und passen ihre Laufwege gar abhängig des Ballführenden Spielers an. Werders Per Mertesacker als Innenverteidiger hat somit andere Anspielmöglichkeiten, als etwa Mesut Özil in der klassischen 10er-Rolle. Das funktioniert allerdings nicht immer tadellos. Auch Aktionen der Gegenmannschaft gestalten sich schwieriger als gewohnt, denn diese nutzen Lücken in der Verteidigung gnadenlos aus. Glücklicherweise wurden die Torhüter nun besser für 1-gegen-1 Situationen gewappnet, auch wenn sie sich immer noch unnötige Patzer liefern. Ein großer Unterschied im Vergleich zu FIFA 10 ist auch der generelle Spielaufbau, welcher weitaus komplizierter von Statten geht. Zum einen liegt das an der integrierten Fehlerhäufigkeit der Profikicker (was im Vergleich zu den gravierenden Torhüteraussetzern wenigstens realistisch wirkt). Zum anderen wollen die guten Herren für Schüsse oder Ballannahmen stets sinnvoll positioniert sein, um nicht einen unnötigen Ballverlust zu riskieren. Die Steuerung funktioniert dabei, vor allem mit dem Gamepad, ohne Probleme. Lediglich das neue Elfmetersystem kann man ankreiden, durch das selbst Jörg Butt kaum einen Strafstoß verwandeln würde.
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