Kehrt das Grauen zurück?
Es gibt Dinge, die will man gar nicht wissen: Was lauert unter meinem Bett, was versteckt sich in meinem Schrank? Es gibt Leute wie Stephen King, die mir das trotzdem erzählen. Und dann gibt es da noch gemeine Menschen, die Horror-Filme wie Aliens erschaffen. Und mich mit Ängsten konfrontieren, von denen ich nicht mal wusste, dass ich sie habe. Das ist euch nicht schrecklich genug? Dann könnte Aliens: Colonial Marines genau das richtige Spiel für euch sein. Denn Gearbox Software (u. a. Borderlands 2) bannt exakt diesen Schrecken in einen Shooter, der mir die Haare zu Berge stehen lässt. Und das gar nicht Mal wegen der eher mittelmäßigen Optik - die lange Entwicklungszeit fordert in dieser Beziehung einfach ihren Tribut. Nein, beim Spielen der Kampagne zehrt das Wissen an mir, was mir in den zerstörten Überresten der menschlichen Kolonie auf LV-426 begegnen wird: Horden tödlicher Xenomorphs!
Wir sind nicht allein
Wollte ich wirklich hier hin zurück?
"Hadleys Hope" (Pop. 158 ...) wurde dabei so gut nachgestellt, dass mir sofort einzelne Szenen des Films durch den Kopf schießen. Doch für allzu lange Überlegungen habe ich gar keine Zeit, ich muss selbst um das Überleben meines virtuellen Helden kämpfen. Ich stakse vorsichtig die engen Gänge entlang, deren Metall-Wände halb zerstört sind von Krallen oder Säureblut. Oder noch Schlimmerem. Die leergeschossenen Automatik-Geschütze sind stumme Zeugen eines verzweifelten Abwehr-Gefechts, das nur einen Sieger kannte: Es waren keine menschlichen Jubelschreie, die durch diese öden Hallen jaulten. Wo sich einst (im Spiel aber erst kurz zuvor!) Ellen Ripley mit ihrem kleinen Grüppchen Überlebender verschanzen wollte, trage auch ich ein erstes Scharmützel aus, wehre mithilfe eines neu beladenen Geschützes die zähnefletschenden Unwesen ab, schieße auf die kletternden, springenden, kreischenden Viecher. Bishop - oder eher sein identisch aussehender Nachfolger - erledigt dabei merkwürdig ruhig seinen Job am Pult. Zu ruhig, für meinen Geschmack - die Aliens beachten den künstlichen Organismus überhaupt nicht. So ist das wohl nicht gedacht, oder?
Furcht kontra Professionalität
Die sehen gefährlicher aus, als sie sind
Verspüre ich Angst in diesen Momenten? Wenn ich eher auf mich allein gestellt bin, der Motion Tracker losplärrt und die Lichter um mich herum gespenstisch flackern - Hell, yes! Wenn es aber dann ans Eingemachte geht, Dutzende schwarze Ungetüme sich auf mich stürzen, erledige ich meinen Job mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks. Ballern, ausweichen, nachladen. Stumpfe ich dabei ab? Sicherlich beeindruckt mich der Ansturm nicht so sehr, wie ich es erwartet habe. Das liegt auch daran, dass mich die Xenomorphs im direkten Duell, im Nahkampf, nicht sofort ins Jenseits befördern. Verdammt, jeder weiß doch, dass solche Begegnungen absolut tödlich sind! Gearbox etwa nicht? Doch, wissen sie. Sie wollen mir aber den Spaß nicht verderben, lassen mich die Aliens rumschubsen, auch ihr Säureblut kratzt mich nur ein wenig an. Dabei geht aber ein Stück der monströsen Killermaschinen flöten. Schade. Ich hoffe, dass die Kampagne nicht unter diesen Kunstgriffen für "Casuals" leidet.
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