Noch einmal Kind sein
Kinder als Protagonisten einzusetzen wird oftmals als eine schwierige Angelegenheit betrachtet. Damit ist keineswegs die schauspielerische Leistung gemeint, schließlich gibt es mittlerweile einige sehr gute Kinderdarsteller. Einen jungen Heranwachsenden als identifikationswürdige Figur einzusetzen scheint dennoch ein Problem für viele Regisseure darzustellen. Insbesondere bei Dramen, die auf einen Protagonisten zentriert sind. Einige befürchten wohl, dass ein Kind nicht genug Identifikationsraum für Erwachsene bietet, wodurch schon mal zu drastischen Maßnahmen gegriffen wird. So wird entweder durch dramaturgische Übertreibungen die Empathie des Kinogängers geweckt (Extrem laut und unglaublich Nah) oder es gelingt schlichtweg überhaupt nicht irgendeine Bindung aufzubauen (Die Chroniken von Narnia). Benh Zeitlin zeigt jedoch nun endlich wie es richtig geht, und das sogar auf recht einfachem Wege. Der Regisseur führt in seinem Erstlingswerk nämlich gekonnt vor, dass nicht mehr als ein gewisses Maß an geerdeter Authentizität nötig ist, um den Zuschauer für den Protagonisten zu begeistern. Die nachfolgende Kritik bezieht sich übrigens ausschließlich auf die englische Originalfassung des Films.
Zerstörung einer Kinderwelt
Sie weiß mehr, als ihr alter Herr gerne hätte
Die Halbwaise Hushpuppy (Quvenzhané Wallis) lebt mit ihrem Vater (Dwight Henry) abseits der amerikanischen Zivilisation im Delta des Mississippi, genannt „The Bathtub“. Hushpuppy baut sich während ihrer Kindheit ihre eigene Auffassung des Universums auf. Alles steht in einem sehr sensiblen Verhältnis zueinander, das sehr leicht erschüttert werden kann. Als dann ein Sturm über das Land hereinbricht und die Behausungen der Bewohner in weitestgehend zerstört, sind alle Mitglieder der Bayou Community obdachlos und haben kaum zu essen. Währenddessen versucht Hushpuppys Vater, den seit geraumer Zeit eine Herzkrankheit quält, seine Tochter eigenständig zu erziehen. Hushpuppy hat die Krankheit ihres Vaters natürlich längst bemerkt und so versucht sie in ihrer Fantasie das Gleichgewicht der Welt wieder herzustellen, um sich selbst und ihren Vater zu retten.
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